Mit Faltbooten unterwegs auf der Havel
Tom Schilling
2013
Für meine Mutter
Impressum
Auflage Juli 2025
© Tom Schilling, Dresden, Deutschland
Dieses Buch ist ein Ausdruck der Webseite
"https://www.tom--schilling.de/paddeln/
gedruckt im Selbstverlag
Die auf der Webseite herunterladbare PDF-Datei ist im Format A5 gedruckt, damit sie auf eBook-Readern oder Handys mir kleinem Bildschirm unterwegs optimal gelesen werden kann. Fotos sind in dieser Version naturgemäß winzig. Benötigt man größere Formate, kann die WEBSEITE (nicht dieses PDF) mittels der Druckfunktion des Browsers in beliebigen Größen ausgedruckt werden. Für elektronische Versionen ist ein Browser auf Chromium-Basis (wie Edge oder Vivaldi) zu empfehlen, weil er die Verlinkung des Inhaltsverzeichnisses zu den Kapiteln ins PDF übernimmt, wenn über "Als PDF speichern" gedruckt wird.
Für Ausdrucke auf Papier empfehle ich chlorfrei gebleichtes Papier, das aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern stammt, in denen Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden und das mit FSC- oder blauem Engel-Siegel zertifiziert wurde. Wohlhabenden empfehle ich darüber hinaus einen Ausdruck in Farbe, damit die vielen Fotos zu Geltung kommen.
Sollten Sie mehr als 25 Druckexemplare anfertigen, denken sie bitte daran, ein Pflichtexemplar an die Deutsche Nationalbibliothek zu schicken, siehe
"https://www.dnb.de/DE/Professionell/Sammeln/
Mehr Informationen zum optimalen Druck dieser Webseite finden Sie auf
"https://www.tom--schilling.de/programmieren/
Inhalt
Download der kompletten Tour als .pdf
2013 - Im Kanu unterwegs auf der Mecklenburger Seenplatte von Kratzeburg bis Waren mit Albi, Gerd und Matz
L ca. 114 km, Z 6 Tage
Start: 22.6.2013 - Kratzeburg
Ende: 27.6.2013 - Waren (Müritz)
erzeugt unter Verwendung von Open Street Map
Vorbemerkung 2025: Wie immer, wenn ich Touren mit Freunden unternehme, gibt es so viel zu erzählen, daß ich abends nicht die Kraft habe, Tagebuch zu führen. Nach dem ersten Tag hatte ich noch einen Audiokommentar gesprochen, danach nicht mehr. Weil ich nicht sofort zum Aufarbeiten der Tour gekommen bin, stammt das meiste aus der Erinnerung von 12 Jahren später.
Vorbereitung
Dieses Jahr sind wir von der Quelle der Havel bis zur Müritz gepaddelt. Wir, das sind Albi, Gerd, Matz und ich. Wir haben zwei Faltboote mit, mein Kolibri 4 und den RZ85 (Reisezweier 85) vom Matz. An der Havelquelle war ich noch nie und meine letzte Befahrung der Müritz lag schon wieder 9 Jahre zurück. Deshalb war einiges Neues dabei. Ich hatte mir den alten DDR-Wasserwanderatlas 1997 noch mal neu besorgt, weil ich das erste Exemplar verschusselt hatte. Für Fotos hatte ich die Pentax S4i in einer Otterbox mit. Die war eigentlich schon vor 3 Jahren durch eine Canon S90 ersetzt worden. Es wäre also kein materieller Verlust, wenn die ins Wasser fällt. Schnuckelig war die ja. Leider wurde die Hälfte der Bilder verwackelt und unscharf.
Kratzeburg ↣ Camping Hexenwäldchen
K km 16, L 16 km Gewässer: Käbelicksee, Havel, Granziner See, Schulzensee, Pagelsee, Zotzensee, Jäthensee, Treidelgraben, Jamelsee
Abfahrt war früh 7:09 Uhr, damit wir 13:15 Uhr schon in Kratzeburg sind und noch was vom Tag haben. Die Anschlüsse funktionieren alle und wir kommen pünktlich an. In Neubrandenburg werden noch Vorräte für 3 Tage gefaßt. Wir haben ja sonst kaum was zu schleppen. ;-) Auf dem Weg zur Aufbau-Wiese am Bahndamm Kratzeburg überqueren wir die Havel als Rinnsal.
Anmarsch der Boote.
Unter dem Bahndamm fließt die Havel durch. Die Quelle ist nicht weit entfernt.
Wir bekommen die Boote zügig zusammengebaut und stechen gegen 15 Uhr in See. Den Käbelicksee, um genau zu sein. Das Wasser ist leicht bewegt. Wir paddeln über mehrere kleine Seen, die durch kurze Stücke der Havel verbunden sind. Strömung gibt es keine, wir müssen selber ran.
Beide Boote sind fertig aufgebaut.
Wir starten im Käbelicksee.
Anfangs geht es durch Nationalpark-Gebiet, das wir bis zur Übernachtung durchquert haben sollten. Gerd hat einige Geo-Caches auf der Liste, die schnell abgearbeitet werden müssen, denn der Weg ist noch weit.
An der ersten Umtrage-Stelle an der Granziner Mühle herrscht Hochbetrieb. Glücklicherweise gibt es 3 große Wagen auf dem Gleis. Es geht zügig voran. Die Bilder sind von Albi, weil ich, wie man sieht, zu alle Hände voll tun hatte. ;-)
Die Sonne scheint und es ist trotzdem nicht zu warm, perfektes Paddelwetter. Die Stimmung ist gut, auch wenn der Weg noch weit ist.
Tagesziel sollte der Wasserwander-Rastplatz in Babke sein. Leider wurde daraus nichts, weil Wasserwanderrastplätze mittlerweile nicht mehr zur Übernachtung da sind. Wozu eigentlich sonst? Der Babker Platz offenbar zu nichts, denn er besteht nur aus Gestrüpp und ungemähter Wiese. Wir hängen noch ein paar Kilometer dran und versuchen, den Zeltplatz Hexenwäldchen zu erreichen. An der Schleuse in Babke gab es wieder Schienen zum sehr komfortablen Umtragen.
Der Zeltplatz Hexenwäldchen war eine gute Wahl, denn die nette junge Frau vom Empfang zeigt uns einen Platz am Ufer, der unserem Ideal vom Wild-Campen ziemlich nahe kommt. Zudem gibt es morgen früh frische Brötchen.
GPS: 53.34778, 12.91963
Camping Hexenwäldchen ↣ Floßgraben
K km 40, L 24 km Gewässer: Jamelsee, Treidelgraben, Havel, Görtowsee, Zierzsee, Useriner See, Labussee, Weißer See, Woblitzsee, Floßgraben
In der Nacht gab es einige kurze Regenschauer, aber früh ist es wieder trocken. Vorhergesagt ist, daß es sich in den nächsten Tagen abkühlt und ab und zu regnet. Wir werden sehen. Wegen des ausgedehnten Frühstücks kommen wir erst um zehn Uhr aufs Wasser.
Alles voller Boote. Auf dem Weg zum Brötchen holen.
Wir starten.
Der erste größere Regenguß startet gerade, als wir auf dem Useriner See nahe an einem schilffreien Ufer entlang paddeln. Wir spurten in den Schutz der Bäume und warten ab. Durch das dichte Blätterdach kommt fast nichts durch. Wir ziehen uns umsonst die Regensachen an.
An der Schleuse vor dem Großen Labussee müssen wir umtragen. Das geht bequem per Schiene, wir müssen nur warten, bis unsere Vorgänger mit ihrer großen Jolle fertig sind.
Wenn sich Matz und Albi voll ins Zeug legen, können wir nicht lange mithalten. Ihr Boot ist länger und läuft besser und meine Armmuskulatur ist eher zum Bleistift halten entwickelt als zum Paddeln.
Geplantes Etappenziel war der in der Wasserwanderkarte eingetragene Zeltplatz am Weißen See. Leider ist er geschlossen. Damit sind alle offiziellen Übernachtungsmöglichkeiten für heute erschöpft und wir müssen uns was in der Wildnis suchen. Die Stimmung ist leicht im Keller. Wir tragen die Boote wieder zurück in den Labussee und versuchen auf dem weiteren Weg eine Übernachtung zu finden.
Wenigstens können wir auf dem Rückweg über den Labussee mit dem Wind segeln. Unsere richtigen Segel hatten wir zu Hause gelassen, also mußten wir improvisieren.
Die Zeltplatzsuche gestaltete sich schwierig. Anlandemöglichkeiten am Seeufer sind wegen der dichten Schilfgürtel sehr begrenzt und die wenigen guten Plätze waren schon von ankernden Motorboten belegt. Auch die Ufer der Havel zwischen Labus- und Woblitzsee sind mit Schilf bestanden, außerdem stört uns der rege Hausbootverkehr. Ich schlage vor, den vom Woblitzsee abgehenden Floßgraben zu erkunden. Der ist weit genug von Siedlungen entfernt und könnte eine ungestörte Übernachtung bieten.
In einem Wäldchen steige ich aus und erkunde die Gegend. Hinter dem Waldstreifen finde ich eine schöne Lichtung, die an ein Feld angrenzt. Das Herausholen der Boote über das hohe, steile Ufer und der Transport durch den Wald gestalten sich schwierig, aber machbar. Von der anderen Seite des Feldes könnte man uns sehen, vermutlich bemerkt uns niemand. Da gerade erst Sommersondenwende war, ist die späte Ankunft kein Problem. Es ist noch ausreichend lange hell. Einige Mücken sind noch unterwegs.
GPS: 53.31168, 13.0448
Floßgraben ↣ Kanuhof Wustrow
K km 54, L 14 km Gewässer: Floßgraben, Woblitzsee, Schwaanhavel, Plätlinsee
Früh regnet es, erst mittags klart es auf. Wir starten 11 Uhr. Um zwei Uhr haben wir gerade mal die fünf Kilometer bis Wesenberg geschafft. Wir legen an der Kanu-Mühle an und machen einen Stadtbummel. Der Ort feiert 750 Jahre seines Bestehens. Das Burgfest verpassen wir leider um zwei Wochen.
Wir besuchen das Museum in der Burg. Im Inneren sind Fotografien von Lars Hoffmann ausgestellt, die uns schon mal auf die erwartete Regenperiode einstimmen. Ansonsten sind dörfliche Geräte und anderer Kram zu sehen. Dazu vom NABU eine Ausstellung über Biber. Im Museumsshop entdeckt Albi Himbeer-Prosecco- und Erdbeer-Physalis-Marmelade. Vom Burgturm aus hat man einen schönen Rundblick auf den Ort und auf den See.
Blick zurück auf den Woblitzsee vom Turm der Burg Wesenberg.
Versponnener Reiher im Burg-Museum
Gerd sucht noch einen Geo-Cache am Wesenberger Findlingsgarten. Ich sehe mir derweil die Chronik der Storchenbraten in Wesenberg an. (Oder -bruten? Das Schild läßt Raum für Interpretationen.) Aktuell ist das Nest bewohnt und ich sehe Nachwuchs. Mich beunruhigen die dunklen Wolken darüber.
Weiter paddeln wir erst 18 Uhr. An der Schleuse haben wir doppelt Glück, daß noch geschleust wird und der Schleusenwärter auf uns wartet. Wir legen uns ordentlich ins Zeug.
Der Schleusenwärter wartet
Ein versteckter Seiteneingang. Gehts da zum U-Boot Hafen?
Kurz danach nehmen wir den Abzweig in die Schwaanhavel. Das ist ein klares flaches Fließ, bei dem man die Wasserpflanzen auf dem Grund erkennen kann.
Die letzte Station des Tages ist der Plätlinsee. Auf sehr ruhigem Wasser gleiten wir dahin und genießen die Abendstimmung.
Wieder ist es heute spät geworden. Erst halb neun legen wir am Kanuhof Wustrow an. Um weiterzukommen, müssen wir die Boote ohnehin aus dem Wasser ziehen und wollen das gleich mit der Übernachtung verbinden. Wir bauen die Zelte auf. In der Nähe liegt ein wunderhübsches Feld voller Kornblumen. Ich vergesse, ein Zeltfoto zu machen.
GPS: 53.22243, 12.96792
Kanuhof Wustrow ↣ Fleether Mühle
K km 68, L 14 km Gewässer: Balinkasee, Klenzsee, Gobenowsee, Drosedower Bek, Rätzsee
Am Morgen ist die Stimmung im Keller. Es hat die Nacht durch geregnet und auch für die nächsten Tage ist Regen angesagt. Der Abbruch der Tour liegt in der Luft, als ich am Ausgang des Kanuhofs entdecke, daß jemand eine kleine Sonne unter den Wetterbericht gemalt hatte, mit dem Spruch "Ich komme wieder!". Ich zeige sie den anderen. Letztlich bewegt uns die kleine Kritzelei auf dem Wetterbericht, es doch weiter zu versuchen.
Es regnet den ganzen Tag lang und ich knipse kein weiteres Foto. Alle Bilder dieses Tages sind von Albi. Gerd hat keine richtige Regenjacke mit und ist bald ziemlich durchnäßt. Auch meine Regenjacke hält nicht ewig dicht. Zum Glück ist es unter dem Spritzverdeck windstill und einigermaßen warm. Das schwerere Paddel haben wir unter Deck sicher verstaut und wechseln uns mit dem anderen ab.
Wir zelten an der Fleether Mühle auf dem Gelände des Kanuverleihs "Pack- und Paddel". Unsere Zelte sind naß und draußen zu kochen macht keinen Spaß. In dem kleinen Aufenthaltsraum im Gebäude ist leider kein Platz für uns. Wir unternehmen einen Ausflug in den Ort Fleeth, um vielleicht ein Abendessen zu bekommen oder einzukaufen. Leider erfolglos.
GPS: 53.22083, 12.86155 Fleether Mühle ↣ Camping Müritz
K km 93, L 25 km Gewässer: Vilzsee, Mössensee, Zotzensee, Müritz-Havel-Wasserstraße, Mirower See, Granzower Möschen, Kotzower Seen, Mössel, Leppinsee, Junkerkanal, Woterfitzsee, Bolter Kanal, Caarpsee, Müritz
Der Regen hat in der Nacht aufgehört, aber für Sommer ist es immer noch recht kalt. Wir trödeln bis kurz vor elf, bevor wir die Boote wieder einsetzen.
Auch in Mirow haben wir ein Kulturprogramm. Wir besuchen die Johanniterkirche.
Mein Fotoapparat zeigt wieder die Macken, weswegen ich ihn eigentlich ausgemustert hatte: Er setzt sich häufig zurück und verliert Uhrzeit und Datum. Sehr nervig, das bei jedem Einschalten wieder einstellen zu müssen. Ich lasse es und muß später die Fotos von Hand zuordnen.
Der Bolter Kanal führt an einer Mole ein Stück in die Müritz hinein. Von Nordwesten kommen Wellen und Gegenwind. Wir beratschlagen, wo wir heute übernachten wollen. Zurückfahren und uns am Kanal in die Büsche schlagen? Oder schaffen wir die 500 Meter bis zum Zeltplatz? Das RZ85 hat kein Spritzverdeck.
Alles halb so wild! Wir kommen wohlbehalten kurz vor Sonnenuntergang auf dem Zeltplatz an.
Camping Müritz ↣ Waren Müritz (und Rückfahrt)
K km 114, L 21 km Gewässer: Müritz, Binnenmüritz
Das gestrige kurze Stück Müritz hat uns darin bestärkt, daß wir die Tour fortsetzen wollen. Wir bleiben in der Nähe des Ostufers, um uns im Notfall retten zu können. Dadurch haben wir einige Kilometer mehr zu paddeln und am Ende den Wind von vorn. Kurz vor der Hafen-Einfahrt in Waren (Müritz) gibt es noch mal richtig hohe Wellen.
Unser Zeitplan sah vor, daß wir in Waren übernachten. Aber je näher wir dem Ziel kamen, desto wahrscheinlicher wurde es, daß wir heute Abend noch eine Verbindung zurück nach Dresden bekommen. Wir beeilen uns und bauen die Boote in Rekordzeit ab. Trocknen würden sie auch zu Hause.
Tatsächlich schaffen wir es, früh um eins zu Hause zu sein. Trotz einigem Regen hat eine schöne Tour ihr Ende gefunden.
GPS: 53.51379, 12.68181